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  • Thilo Pascher

Der Einfluss von Arzneimitteln auf den Bedarf an Mikronährstoffen und die Funktionsfähigkeit der Mitochondrien



Mikronährstoffe sind bioaktive Substanzen die der Körper für die Aufrechterhaltung des Stoffwechsels sowie für die Funktionen des Immunsystems benötigt.

Dazu zählen alle Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, vitaminähnliche Substanzen, Fettsäuren, Aminosäuren, bioaktive Pflanzenstoffe.

Diese benötigt der Körper in geringen Mengen, die Höhe ist aber immer abhängig vom jeweiligen Bedarf.

 

Mitochondrien sind die Kraftwerke einer jeden Körperzelle.

Ohne eine ausreichende Anzahl und Versorgung der Mitochondrien kann die Zelle ihre Aufgabe gar nicht, oder nur in ungenügendem Maß erfüllen, da ihr nicht ausreichend Energie zur Verfügung steht.

Da Mitochondrien in allen Geweben vorkommen, können sie auch alle Organe betreffen und Probleme (Mitochondriopathie) können in jeder Altersstufe auftreten.

Eine Mitochondriopathie kann auch primär sein durch Vererbung. Mitochondriopathien, induziert durch oxidativen oder nitrosativen Stress, Toxine, Erreger oder Mikronährstoffmängel, zählen zu den sekundären Mitochondriopathien.


Wie können Medikamente auf den Mikronährstoffhaushalt einwirken?

  • sie können die Synthese bestimmter Mikronährstoffe hemmen

  • sie können dafür verantwortlich sein, dass Mikronährstoffe zu stark ausgeschieden werden

  • sie können den Mikronährstoff-Stoffwechsel stören, so dass notwendige Stoffwechselfunktionen eingeschränkt werden

  • sie können die Aufnahme und Verwertung von Mikronährstoffen behindern, was dann zum Mangel führt

  • sie können durch ihre Funktionsweise einen erhöhten Bedarf schaffen

 

Arzneimittel können eine toxische Wirkung auf die Mitochondrien selbst haben. Das bedeutet, dass diese Arzneimittel in der Lage sind Mitochondrien direkt zu schädigen, was sich dann im Funktionsdefizit bis hin zum Funktionsverlust der entsprechenden Organe und Körpergeweben (z.B. Muskeln) äußert.

Sie können aber auch indirekt durch den Einfluß, den sie auf den Mikronährstoffhaushalt haben, die Funktion der Mitochondrien negativ beeinflussen.

 Zu den weltweit am häufigsten verordneten Medikamenten, zählen Statine, die gegen einen zu hohen Cholesterinspiegel eingesetzt werden, Antidiabetika wie Metformin, Antidepressiva wie z.B. Citalopram, nichtsteroidale Entzündungshemmer wie z.B. Ibuflam, Voltaren, Aspirin, Thomapyrin, Protonenpumpenhemmer (Säureblocker) und Medikamente zur hormonelle Verhütung.


Statine:

 

Dazu gehören z.B. Atorvastatin, Simvastatin, Rosuvastatin.

Sie zählen zu den Cholesterinsenkern. Sie beeinflussen den Fettstoffwechsel, so dass weniger Cholesterin gebildet wird und sollen dadurch einen Schutz bieten vor Gefäßverkalkung, die zu kardio-vaskulären Erkrankungen führen kann.

Sie greifen ein in alle enzymatischen Prozesse der Energiegewinnung der Zelle und führen, dosisabhängig, zu einer Hemmung der körpereigenen Synthese von Q10 und damit zum Verlust dieses, für die Energieproduktion im Mitochondrium, essenziellen Mikronährstoffs.

Die häufigste Nebenwirkung einer Statingabe sind muskuläre Beschwerden, neben Antriebsschwäche und Abgeschlagenheit. Dazu wirken sie ausgesprochen diabetogen, d.h. sie haben steigernden Effekt auf die Insulinauschüttung, was dann in Folge auch zu einem Diabetes führen kann.

Auch das Risiko für Nierenerkrankungen steigt an.

Eine tägliche Zufuhr von Q10 zwischen 100-600 mg Q10 hat gezeigt, dass dadurch die muskulären Beschwerden, die durch die Statingabe entstanden sind, deutlich reduziert wurden. Zusätzlich kommt der positive antientzündliche und antioxidative Stress durch Q10, in den Gefäßen zur Wirkung.

Eine begleitete Q10 Gabe ist daher bei einer Statingabe unbedingt zu empfehlen, um die Gefahr von Nebenwirkungen zu reduzieren.

Auch sollte unter einer Statingabe der Vitamin K2 und Selenstatus unter Beobachtung sein.

 

NSAR – nichtsteroidale Entzündungshemmer

 

Arzneimittel mit den Wirkstoffen Ibuprofen, Paracetamol, Diclophenac, Acetylsalicylsäure (ASS) haben einen negativen Effekt auf die Schleimhäute des Verdauungstrakts und der Tight Junction. So wird die Verbindung der Darmzellen zueinander genannt. Indem diese Medikamente einen auflösenden Effekt auf diese Verbindung haben, kann sich durch die regelmäßige Einnahme ein Leaky gut (hyperpermeabler Darm) entwickeln.

Die Aminosäure L-Glutamin hat einen stabilisierenden und regenerierenden Effekt auf diese Verbindung. 1500-2000 mg als begleitende Gabe bei Einnahme von NSAR-Medikamenten ist deshalb zu empfehlen.

 

Paracetamol hat dabei eine noch die Eigenschaft toxisch auf die Leber zu wirken. Die häufigste Ursache für eine Lebervergiftung und Leberversagen ist in den USA die Überdosierung durch Paracetamol.

Bis zu 3 Tagen nach Einnahme kann die Wirkung lebervergiftend sein.

„Um eine relevante Toxizität zu bewirken, muss die akute Überdosierung ≥ 150 mg/kg innerhalb von 24 h (ca. 7,5 g bei Erwachsenen) überschreiten“.

Um einen Leberzellschutz bei Paracetamol - Gabe zu gewährleisten, ist NAC (N-Acetylcystein) hier das Mittel der Wahl und kann begleitend genommen werden.

 

Antidiabetika

 

Das Medikament in Deutschland zur oralen Behandlung von Diabetes Typ 2 ist Metformin. Es zählt zu der Medikamentengruppe der Biguanide. Es ist im Allgemeinen gut verträglich. Jedoch haben auch diese Medikamente eine Interaktion mit der Atmungskette (s.o.), so dass es zu Magen-Darm-Beschwerden, Bauchschmerzen bis hin zu Erbrechen und Durchfall und auch zu kardio-vaskulären Komplikationen kommen kann.

Eine seltene Nebenwirkung, die jedoch oft tödlich endet, weil sie so unspezifisch mit Müdigkeit, Unruhe, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Atemnot und Kreislaufproblemen beginnt, ist die Laktatazidose. Diese Nebenwirkung ist jedoch selten und betrifft eher Menschen, die bereits eine eingeschränkte Nieren- und Leberfunktion haben.

In Studien konnte immer wieder nachgewiesen werden, dass Metformin die Aufnahme von Vitamin B12 ungünstig beeinträchtigt, indem es einen hemmenden Effekt auf die Aufnahme von B12 im Dünndarm hat.

 

  

Säureblocker – Protonenpumpenhemmer

 

Bei den häufigsten Nebenwirkungen dieser Medikamente finden sich Kopfschmerzen, Übelkeit und Durchfall. Des Weiteren ein vermehrtes Auftreten von Magen-Darm-Infekten, da das saure Milieu des Magens auch als Schutz vor unerwünschten Keimen dient.

Eine Verminderung der Knochendichte mit einem erhöhten Risiko einer Schenkelhalsfraktur zeigte eine britische Langzeitstudie mit 150000 Teilnehmern. Dies betraf besonders ältere Menschen die das Medikament länger als fünf Jahre einnahmen.

Eine andere Studie an Menschen mit 75 Jahren und älter, zeigte ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Demenz und Morbus Alzheimer.

An jungen Menschen zeigte sich schon nach einer kurzfristigen Einnahmezeit (7Tage) eine signifikante Verschlechterung der kognitiven Leitungsfähigkeit (z.B. Aufmerksamkeit, Kurzzeitgedächtnis).

 

Das blockieren der Säureproduktion hat für den Mikronährstoffhaushalt jedoch Folgen.

 Es kann bei langfristiger Einnahme zu einem Mangel an Vitamin B12 kommen, da die Magensäure benötigt wird um B12, welches an Eiweiße in der Nahrung gebunden ist, zu lösen damit es verfügbar wird und sich an den Intrinsic Faktor binden kann. Dieser Transportfaktor geht mit B12 eine Verbindung ein, damit es dann mit Hilfe von Calcium im Dünndarm aufgenommen wird. 99% der Vitamin B12 Aufnahme aus der Nahrung ist abhängig vom PH-Wert des Magens. Nur 1% erfolgt über eine Ph-Wert unabhängige Aufnahme.

Bei einer Einnahme von mehr als 2 Jahren zeigte sich ein bis zu 65% erhöhtes Risiko eines B12 Mangels.

Bei einer langfristigen Einnahme sollte deshalb eine Vitamin B12 Supplementierung mit den aktiven Vitamin B12 Formen erfolgen: Hydroxycobalamin, Adenosylcobalamin und Methylcobalamin. In Form von Lutschtabletten oder Tropfen verabreicht, dann kann B12 über die Mundschleimhaut resorbiert werden.

Die Dosierung sollte zwischen 500-2000µg  liegen.

Ganz besonders wichtig ist die Kontrolle des B12 Status bei allen älteren Personen, sich vegan ernährenden Menschen und allen die an neurodegenerativen Erkrankungen leiden.

 

Die Bioverfügbarkeit von Mineralstoffen wie Calcium, Magnesium, Eisen, Vitamin C und Vitamin D sind abhängig von einem entsprechend sauren Milieu des Magens während der Verdauung.

Also muss bei einer längerfristigen Einnahme von Säureblockern besonders auf die ausreichende Versorgung dieser Mikronährstoffe geachtet werden und gegebenenfalls supplementiert werden.

 

Ausreichend Magensäure zu haben ist wichtig für die richtige Verdauung von Fetten und Proteinen. Die werden nämlich durch den sauren Magensaft quasi mariniert, so dass diese dann im Dünndarm, über die Verdauungssäfte der Galle und der Bauchspeicheldrüse, vollständig zerlegt werden können. Geschieht dies nicht, besteht die Möglichkeit, dass sich im Dickdarm zu viele Fäulnisbakterien ansiedeln. Diese sorgen dann für eine gesteigerte Histaminproduktion im Darm.

Eine unzureichende Verdauungskapazität, kann somit auch zu einer Veränderung des Darm-Mikrobiom beitragen.

 

Kontrazeptiva- Hormonelle Verhütung

 

Durch diese Medikamente entsteht ein höherer Bedarf an bestimmten Mikronährstoffen.

Hormonelle Kontrazeptiva können ursächlich sein für

  • eine Beeinträchtigung der Resorption und der Ausnutzung der B-Vitamine (Vit.B2,B6, Folsäure, Vit.B12), die für die Methylgruppen und den Homocysteinstoffwechsel notwendig sind.

Die Folgen eines beeinträchtigten Homocystein-Stoffwechsels und Methyl-

stoffwechsels können z.B. zu einem gestörter Neurotransmitterhaushalt

(Serotonininsuffizienz) führen. Reizbarkeit, Kopfschmerzen und depressive Verstimmungen mit verursachen. Die Entgiftungskapazität kann beeinträchtigt werden. Es entsteht

  • ein erhöhtes Risiko für Thrombosen und Blutdruckerhöhung

  • eine Beeinträchtigung der Vitamin C Aufnahme und Verwertung. Abfall des

   Vitamin C-Spiegels im Plasma, der Leukozyten und der Thrombozyten

  • eine Beeinträchtigung der Magnesiumaufnahme und -verwertung.

Die Ausscheidung von Magnesium über die Nieren kann erhöht werden und über den vermehrten Verlust die zelluläre Verwertung von Magnesium negativ beeinflussen.

Magnesium hat aber einen regulierenden Einfluß auf den Prostaglandin-

stoffwechsel und fördert Prostacyclin, welches gefäßerweiternd und

antithrombotisch (blutgerinnungshemmend) wirkt.

Magnesium verbessert auch die endotheliale Verfügbarkeit von NO

(Stickstoffmonooxid) und reduziert die Belastung mit Thromboxan A2.

Thromboxan A2 bewirkt ein Verklumpen der Thrombozyten. Die Gefahr eines thrombotischen Geschehens ( Thrombose, Herzinfarkt, Schlaganfall, Lungenembolie) sinkt.

Auch die Spurenelemente Selen und Zink gehören zu den Mikronährstoffen, deren Aufnahme durch orale Verhütungsmittel beeinträchtigt werden kann.

 

Bei Einnahme der Pille muss auf eine ausreichende Zufuhr der Nährstoffe

Vit. C, B2, B6, Folsäure, Vit.B12, Magnesium, Zink und Selen geachtet werden.


Cortisonpräparate


Hier sind es Vitamin D und Calcium, welche bei einer längerfristigen Gabe negativ beeinträchtigt werden können und es dadurch zu einer Störung des Knochenhaushalts kommen kann. Das Frakturrisiko steigt an.

Die Aktivität des Enzyms 24-Hydroxylase wird durch die Cortisongabe gesteigert und damit werden die bioaktiven Vitamin D Formen Cacitriol und Calcidiol schneller abgebaut.

Eine Supplementierung von 3000-4000 i.E / Tag ist bei Cortisongabe zu empfehlen um den eventuellen Nebenwirkungen auf den Knochenstoffwechsel durch die Cortisongabe entgegenzuwirken. Die Höhe der täglichen Einnahme sollte sich aber nach dem aktuellen Vitamin D Status richten. Kann also auch höher oder niedriger ausfallen.



Literatur

Gröber/Kisters

Arzneimittel als Mikronährstoffräuber Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart


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